An der Loire

Wir erreichen bei Briare die Loire. Auf einem 665m langen und schmalen Pont Canal überqueren wir den Fluss und fahren nun parallel auf dem Canal latéral à la Loire in Richtung Süden.P1040449

145 km und 37 Schleusen sind hier zu bewältigen. Wir machen an völlig verschlafenen Dörfern fest, deren Hauptattraktion meist in einem Bäcker besteht. Aber ein Besuch lohnt sich immer, denn die Kuchenstücke sind lecker und haben eine beeindruckende Größe, bei uns würde man zwei daraus machen. In einem Dorf traut sich Jörn sogar zum Friseur und einmal finden wir im Hinterzimmer eines Tabaklädchens mit Zapfsäule vor der Tür sogar eine Art Lebensmittelladen. Ein Allround-Versorger. Ansonsten ist der Hund begraben.
Das berühmte Loiretal mit seinen großartigen Schlössern durchqueren wir im äußersten Osten. Auch hier entdecken wir auf der Fahrt so manches bemerkenswerte Häuschen,  der eigentliche Schlosstourismus aber findet nicht hier, sondern weiter flussabwärts im Westen statt.
Der Canal liegt etwas erhaben, sodass man oft durch die alleeartigen Bäume einen weiten malerischen Blick auf die Landschaft hat. Sie ist idyllisch, sanft und schön, auf den Wiesen weiden die gut genährten weißen Charolaisrinder. Auffallend viele Reiher stehen aufmerksam am Uferrand, immer auf der Suche nach Beute. Der Kanal ist fischreich, sogar große Karpfen schwimmen darin. Eines Tages entdecken wir hinter unserem Schiff eine große, dunkle, wabernde Masse. Bei näherer Betrachtung entpuppt sie sich als Fischschwarm, bestehend aus Hunderten kleiner Fische.
Nur einige wenige Charterboote und ein paar Langzeitfahrer, die wir immer mal wieder treffen, sind unterwegs. Zusammen mit einem alten Engländer fahren wir einen ganzen Tag lang. In einer Schleuse wird Wein aus der Gegend angeboten. Die Schleusenmeisterin wartet geduldig, bis die beiden Männer vom Weinkauf zurück sind, erst dann geht’s in aller Ruhe weiter.
Wenn wir den Luxus von Wasser- und Stromanschluss haben kann ich unsere Wäsche in der bordeigenen Waschmaschine waschen. Ich bin sehr froh sie zu haben, denn hier auf den Dörfern gibt es natürlich keine Waschsalons.P1040452

Aber nicht alle Tage verlaufen reibungslos, es ist wie im richtigen Leben: Erst fällt Paula morgens fast von der Badeplattform und Jörn kann sie gerade noch wieder raufziehen. Dann übersieht er vor der ersten Brücke um ein Haar, dass der Geräteträger noch nicht gelegt war. Im letzten Moment ist der Träger unten. Wenig später muss ich in der Pampa auf die Wiese hüpfen und das Boot festhalten, weil eine große Péniche von vorne kommt und hier für 2 Boote nebeneinander kein Platz im Kanal ist. Die Krönung dieses Tages aber kommt noch: In der vorletzten Schleuse rammt uns eine Péniche (ca. 16m) mit Absicht, weil der französische Skipper meinte, wir hätten ihn vorlassen müssen. Er kracht mit seinem Stahlrumpf wutentbrannt gegen unsere Badeplattform und verursacht natürlich ein Loch. Anschließend  weigert er sich, uns seine Personalien zu geben. Auf der Weiterfahrt  ruft Jörn daher die Polizei an und in der nächsten Schleuse wird die Péniche von den Beamten gestoppt. Inzwischen ist der Capitain klein mit Hut. Nun hat zumindest seine Frau auch ein Einsehen und wir nehmen mit der Polizei einen Schadensbericht auf. Für heute sind wir wirklich bedient.
Letztlich aber nimmt der Tag ein gutes Ende, denn wir finden  in Fleury (nahe Nevers) einen sehr schönen lauschigen Liegeplatz, und Jörn lädt mich abends zum Essen ein. Ganz vornehm in eine Blockhütte am Anleger mit einem kleinen kargen Gastraum, in dem ein Duschvorhang als Gardine fungiert. Die Engländer, mit denen wir zusammensitzen meinen dazu: „It’s different“. So kann man das nennen. Abends trifft sich das Dorf hier an der kleinen Theke auf ein Bier.
Und auch Paula kommt voll auf ihre Kosten, weil sie auf einer großen Wiese vor den Schiffen frei und ungehindert mit dem englischen Border- Collie herumtoben darf.P1040473

Langsam wird es tagsüber so warm, dass wir erstmals und überaus genussvoll den Sonnenschirm auspacken. Nun können wir „enfin, enfin!“, endlich, endlich, ausprobieren, wie sich die neue Honfleur bei Wärme macht und wie es ist, in der Plicht und nicht im geheizten Salon zu leben.
Die Sonne wird so intensiv, dass wir jetzt auf den Fahrten, die wir auch hier mit gelegtem Geräteträger und ohne Persenning zurücklegen, den Sonnenschirm als Schutz aufgebaut haben. Vorn am Bug haben wir eine Stange befestigt, die 3cm höher ist als die Brückenmindesthöhe von jetzt 3,50m. Wenn der Spieß nicht touchiert kommt der Rest des Schiffes plus Sonnenschirm gefahrlos  durch. Wir unterqueren Brücken, die gerade mal 5cm Platz lassen, dann heißt es Luft anhalten. Eine der vielen Brücken ist tatsächlich zu niedrig, die Stange biegt sich dramatisch, und wir müssen in einer schnellen Aktion den Sonnenschirm wegnehmen. Ganz treuherzig erklärt uns später der Éclusier: Es sei halt manchmal so, dass sie zu viel Wasser im Canal haben, tja, da kann man nichts machen!

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